Die Körner Schulen und ihre Geschichte

„In einem hellen, schönen und großen Klassenzimmer macht das Lernen doppelt Spaß.“

Das war nicht immer so, denn noch vor etwa 200 Jahren, so berichtete der zweite Körner Lehrer Johann Henrich Adam Vollmer im Jahre 1811 in seinem Catalogus (Liste), mussten die Körner Schülerinnen und Schüler in einem „kleinen schlechten Zimmer eines Wohnhauses“, das auf dem Gelände an der Ecke Am Bertholdshof/Düsterstraße stand, lesen, schreiben und rechnen lernen. Das Haus bestand aus einem Klassenzimmer und einem Wohn- und Schlafraum für den Lehrer und war vom Bauern Schäfer von der Gemeinde angemietet worden.

Die unzumutbaren Verhältnisse und die Enge in dem einzigen Klassenzimmer wurden von der Regierung beanstandet und so wurden die Familienväter gezwungen auf ihre Kosten eine neue Schule zu bauen. Diese errichteten sie in den Jahren 1825-27 an der Oststraße, der heutigen Straße Am Zehnthof, wo die Paderborner Straße von Osten auf den Zehnthof mündet. Es war ein Fachwerkhaus mit einem Klassenraum und einer Wohnung für die Lehrerfamilie.

Über 60 Jahre wurden in der von den Körner Kindern bezeichneten „Mäuseschule“, denn diese niedlichen Tierchen lebten in den Hohlräumen der Wände, des Fußbodens und der Decke, unterrichtet. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen infolge der Industrialisierung auch viele Arbeiter mit ihren Familien nach Körne. In dem einen Klassenraum herrschte bedrückende Enge. Zunächst wurde zur Abhilfe auch nachmittags unterrichtet. Als jedoch die Schulverhältnisse sich nicht besserten und immer mehr Kinder eingeschult wurden, beschloss die Gemeindevertretung neben der „Mäuseschule“ ein zweites Schulhaus zu errichten. Durch den Zuzug weiterer Familien mit vielen Kindern waren die Schulräume schon nach wenigen Jahren zu klein, so dass im Jahre 1899 die Uhlandschule am Heideweg, der 1905 in Lukasstraße und 1937 in Heilbronner Straße umbenannt wurde, gebaut werden musste.

Weil die Körner Bewohner mit der Reformation den neuen Glauben angenommen hatten, gab es in Körne auch nur eine evangelische Schule. Die im Laufe der Jahre zugezogenen Katholiken schickten ihre Kinder entweder in die Körner evangelische Schule oder in die katholischen Schulen nach Dortmund und nach Hörde. Das waren, besonders in den strengen Wintern, sehr weite Wege.

In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts hatten sich so viele Katholiken in Körne niedergelassen, dass sie eine eigene katholische Schule forderten, was zunächst auf heftigen Widerstand der Gemeindevertretung stieß. Deshalb wurde im Jahre 1894 unter dem Lehrer Lothar Schulte innerhalb der Körner evangelischen Schule eine katholische Schulklasse und zwei Jahre später eine selbständige Körner katholische Schule eingerichtet. Die Schülerzahl nahm jedes Jahr rapide zu, sodass die beiden Klassenräume am Zehnthof bei weitem nicht mehr für die katholischen Schülerinnen und Schüler ausreichten. Es mussten kurzfristig neue Räume geschaffen werden, denn die Klassen waren auf vier Schulgebäuden verteilt.

Die Körner Schulgebäude auf einer Postkarte/ca.1914

Der Magistrat der Stadt Dortmund, der mit der Eingemeindung im Jahre 1905 auch die Verwaltung der Körner Schulen übernommen hatte, löste das Problem, indem er in Körne an der Paderborner Straße ein größeres Grundstück kaufte und darauf im Jahre 1907/8 ein Schulgebäude errichtete, das im Jahre 1909/10 bezogen werden konnte.

Diese Schule erhielt ihren Namen zunächst nach dem sozial engagierten Dortmunder Industriellen Heinrich Schüchtermann und wurde wenige Jahre später nach dem Schutzpatron des Paderborner Erzbistums und der Körner katholischen Kirche St. Liborius in Liborischule umbenannt.

Den Namen änderten die Nationalsozialisten in Florian-Geyer-Schule, einem fränkischen Bauernführer des 16. Jahrhunderts. Doch nach dem Ende des 2. Weltkrieges erhielt die Schule den alten Namen wieder zurück.

Während des Krieges hatte das Gebäude der Liborischule nur wenig unter den amerikanischen und britischen Luftangriffen gelitten. So konnte, nachdem die im Schulgebäude einquartierten Fremdarbeiter in die Heimat zurückgekehrt waren, noch Ende des Jahres 1945 der Unterricht wieder beginnen. Mehrere Jahre herrschte noch Raummangel, denn im Jahre 1946 mussten in Körne 1022 Schülerinnen und Schüler, aufgeteilt in 17 Klassen, in 6 Klassenräumen unterrichtet werden.

Foto aus dem Stadtarchiv. Das alte Schulgebäude, im Hintergrund der Neubau/ca. 1962

Foto aus dem Stadtarchiv. Das alte Schulgebäude, im Hintergrund der Neubau/ca. 1962

Auch die Lebensumstände der Schülerinnen und Schüler waren in den ersten Jahren nach dem Ende des Krieges katastrophal. So hatten viele Kinder keine eigenen Schuhe oder mussten sich diese mit den Geschwistern teilen, viele Kinder hatten keinen Wintermantel und etwa die Hälfte der Kinder hatte kein eigenes Bett. Um im Winter die Klassenräume zu heizen, brachten die Kinder Holz und Kohlen von zu Hause mit.

Doch wenige Jahre nach Kriegsende normalisierten sich die schulischen Verhältnisse und für die Körner katholische Schule wurde in den Jahren 1961/62 ein neues Gebäude neben dem alten Schulgebäude errichtet, das am 10. Dezember 1962 den Leitern der Liborischule und der Schule Am Zehnthof in einer Feierstunde übergeben wurde. Die Schule am Zehnthof belegte noch einige Jahre Klassenräume im neuen Gebäude. Für die Schülerinnen und Schüler waren nun auch eine Turnhalle, ein Pausengang, eine Pausenhalle und Räume für die Verwaltung eingerichtet worden.

Im Jahre 1986 forderten Körner Eltern die Umwandlung der Liborischule zu einer städtischen Gemeinschaftsschule. Den Wünschen der Mehrheit der Eltern wurde Rechnung getragen und mit dem Schuljahr 1986/87 wurde die Liborischule als städtische Grundschule geführt.

Dr. Wilhelm Fricke

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